Gemeinsame Sorge

Die englischen Gerichte verfügten nur selten gemeinsame Sorge und sind manchmal immer noch in der alten Denkweise eines Kindes, das bei einem Elternteil lebt und mit dem anderen Umgang hat, wenn sich die Eltern in Wirklichkeit die Sorge teilen. So sah man vor April 2014 noch gemeinsame Wohnrechtsverfügung mit Bestimmungen für den „Umgang“ mit dem Vater. Mehr und mehr Eltern einigen sich allerdings auf gemeinsame Sorge und die Gerichte sind auch mehr dazu bereit dies über eine dementsprechende Kinderregelungsverfügung zu erlassen.

Gemeinsame Sorge bedeutet nicht immer gleiche Zeitaufteilung und das ist oft auch aus praktischen Gesichtspunkten wegen Arbeit usw. nicht möglich. Man sollte sich die Qualitätszeit des Kindes mit jedem Elternteil anschauen, einschließlich der Freizeit aber auch der täglichen Routine. Wenn man nicht eine gleiche Zeitregelung anstrebt, funktioniert die folgende Regelung oft gut:

  • Wechselweise die Wochenenden von Freitag bis Sonntag Abend mit dem einen oder anderen Elternteil,
  • jeden Donnerstag mit einem Elternteil,
  • den Rest der Woche mit dem anderen Elternteil;
  • Ferien gleich mit jedem Elternteil.

Dies heißt, dass jeder Elternteil ein ganzes Wochenende hat, so dass man bei gutem Wetter Pläne machen kann, an die See zu fahren, die Großeltern oder Freunde zu besuchen usw. Es bedeutet auch, dass jeder zweite Woche das Kind eine längere Zeit von Donnerstag bis Sonntag bei dem einen Elternteil ist.

Manche Eltern meinen, dass gleiche Zeit am Besten durch eine wochenweise Regelung arrangiert würde. Das heißt allerdings, dass das Kind eine Woche am Stück ein Elternteil jeweils nicht sieht, was besonders für Kleinkinder eine lange Zeit sein kann. Andere denken an eine Regelung, nach der das Kind täglich oder alle zwei Tage wechselt, was vor allem für Kleinkinder verwirrend sein kann und auch bedeutet, dass man sehr viele „Übergaben“ hat, die immer ein Konfliktpotential darstellen. Die folgende vierzehntägige Regelung scheint für viele Familien gut zu klappen:

  • Wechselweise die Wochenenden von Freitag bis Montag mit dem einen oder anderen Elternteil,
  • Montags und Dienstags jeder Woche mit einem Elternteil,
  • Mittwochs und Donnerstags jeder Woche mit dem anderen Elternteil;
  • Ferien gleich mit jedem Elternteil.

Insbesondere in Fällen, in denen es bei der „Übergabe“ Konfliktpotential gegeben hat, hilft es, wenn stattdessen das Kind zur Schule oder Kita gebracht oder von dort abgeholt werden kann. In der Praxis muss man vielleicht die Schule bitten, eine Tasche sicher aufzubewahren, und die meisten Schulen werden damit einverstanden sein.

Diese Regelung bedeutet,

  • dass das Kind während der Schulzeit maximal nur fünf Nächte am Stück von jedem Elterteil weg ist, und
  • dass der selbe Elterteil das Kind zu Sportvereinen (Schwimm- oder Ballettunterricht, Fußball usw.) und anderen Nachmittagsveranstaltungen an dem jeweiligen Wochentag bringt, was besonders für kleinere Kinder wichtig sein kann, wenn die Eltern dabei bleiben.
  • Wenn ein Elternteil Nachmittags später arbeitet, kann der dann für diese Wochentage auch den Hort o.ä. regeln.

Am Besten ist natürlich immer, dass man den Gerichtsweg vermeidet, denn ein Richter kann nur eine Verfügung erlassen. Eine Verfügung vollstreckt sich nicht selbst: wenn jemand die Verfügung nicht befolgt oder auf Kleinigkeiten herumreitet, wird die Beziehung weiterhin schwierig bleiben. Außerdem, werden im Leben eines Kindes immer wieder neue Fragen aufgeworfen, über die sich die Eltern einigen müssen.

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10. August 2015 von Andrea Woelke