Kindesentführung verhindern

Statt zu warten, bis ein Kind entführt worden ist, und dann zu versuchen, eine Gerichtsverfügung zu einer Rückführung zu bekommen, ist es natürlich besser, einer Kindesentführung erst ganz zu verhindern.

Wie in so vielen anderen Fragen des Familienrechtes trifft auch hier die Regel zu, dass es eine große Gefahr von Rechtsstreitigkeiten, Stress und Anwaltskosten später erspart, wenn man sich früh an einen Anwalt wendet und sich gut beraten lässt. Geld, dass Sie frühzeitig für die Beratung durch Experten ausgeben, sparen Sie mehrfach in Kosten, die Sie möglicherweise sonst für Gerichtsprozesse später ausgeben würden.

Als erstes sollten Sie sicherstellen, dass Sie „elterliche Verantwortung“ („parental responsibility“) haben. Wenn Sie ein Vater sind, der nicht mit der Mutter verheiratet ist, kann es sein, dass Sie keine „elterliche Verantwortung“ haben. Die Seite zu diesem Thema wird sie darüber informieren. Wenn Sie Zweifel haben, sollten Sie Rechtsberatung einholen. Wenn Sie ein Stiefelternteil sind, einschließlich der meisten Partner von biologischen Eltern in gleichgeschlechtlichen Beziehungen, haben Sie wahrscheinlich auch keine „elterliche Verantwortung“. In diesem Fall sollten Sie einen dringenden Antrag bei Gericht auf elterliche Verantwortung stellen, weil es sonst für die Mutter oder anderen Elternteil vollkommen legal sein könnte, das Kind außer Landes zu bringen, und Sie sie wahrscheinlich weder aufhalten noch später eine Rückführung über das Haager Kindesentführungsübereinkommen beantragen können. Ein Anwalt kann im Notfall auch außerhalb der Bürozeiten des Gerichtes einen Antrag einreichen.

Wenn Sie schon elterliche Verantwortung haben, hängen die Schritte, die Sie zur Prävention einer Kindesentführung unternehmen können davon ab, welche der folgenden auf Ihre Situation zutrifft:

Das Kind lebt bei Ihnen

Wenn das Kind bei Ihnen lebt und regelmäßig Umgang mit dem anderen Elternteil hat, sollten Sie, wenn Sie berechtigte Befürchtungen einer Entführung haben, mit Ihrem Rechtsanwalt besprechen, welche Schritte sie unternehmen können, um eine Entführung zu vermeiden. Dies schließt so Dinge ein, wie den Reisepass sicherstellen und zu vermeiden, dass weitere Reisepässe ausgestellt werden können. Wenn das andere Elternteil allerdings eine andere Staatsangehörigkeit besitzt, kann es möglich sein, dass es einen Reisepass von den Behörden des anderen Landes für das Kind bekommen oder das Kind auf seinen Reisepass eintragen lassen kann. In solch einem Fall sollten Sie eine Rechtsanwalt in dem anderen Land zu Rate ziehen.

Besonders wenn das Kind keinen Umgang mit dem anderen Elternteil hat, sollten Sie, eventuell vertraulich, Dritte benachrichtigen, damit man sie sofort informiert, wenn, z.B., Ihre Kind von jemand anderem von der Schule abgeholt wird.

Das Kind lebt bei dem anderen Elternteil

Sie sollten mit einem Rechtsanwalt, der Experte auf dem Gebiet ist, besprechen, ob Sie eine Verfügung vom Gericht bekommen können, dass der Reisepass des Kindes dem Gericht oder einem Rechtsanwalt zur Verwahrung gegeben werden soll. Sie sollten auch auf mögliche Zeichen aufmerksam sein.

Es ist wichtig, zu beachten, dass wenn es eine Kinderregelungsverfügung gibt, die besagt, dass das Kind bei jemandem wohnt, (auch Teils bei einem, Teils bei einem anderen Elternteil, früher Wohnrechtsverfügung), kann der Elternteil, bei dem das Kind nach der Verfügung wohnt, es in die Ferien für einen Zeitraum unter einem Monat ohne Ihre Genehmigung oder die des Gerichtes mit ins Ausland nehmen.

Mögliche Entführung in der Zukunft

Wenn Sie eine Kindesentführung zu einem zukünftigen Zeitpunkt aber nicht unmittelbar befürchten, sollten Sie mit einem Rechtsanwalt in Verbindung setzen und sich genau darüber beraten lassen, welche Schritte Sie in diesem konkreten Fall unternehmen können. Dies kann einen Antrag auf Verbotsverfügungen, spezifische Anordnungen über Reisepässe (wo sie gehalten werden sollen, ob ein neuer Reisepass ausgestellt werden darf usw.) und praktische Schritte, die Sie unternehmen können, einschließen. Die Anleitungen der Organisation „Reunite“ enthält Formulare, die Sie ausfüllen können und die später der Polizei helfen würden. Hier finden Sie Vorschläge, wie zum Beispiel Fotos von den Kindern zu machen usw. Es empfiehlt sich vielleicht auch ein neueres Foto des möglichen Entführers von Facebook oder anderen sozialen Netzwerken runter zu laden, bevor das da verschwindet.

Befürchtung unmittelbarer Kindesentführung

Wenn Sie glauben, dass der andere Elternteil mit dem Kind schon auf dem Weg zum Flughafen ist, oder selbst wenn sie glauben, dass sie das Land in den nächsten Tagen verlassen werden, kann es trotzdem noch nicht zu spät sein. Wenn Sie die Zeit dazu haben, sollten Sie einen Anwalt, der Experte auf dem Gebiet ist, zu Rate ziehen. Aber selbst, wenn sie zum Beispiel, wenn Sie um 19:00 Uhr Ihr Kind von einem Umgangsbesuch abholen wollen und herausfinden, dass es nicht dort ist, und Sie glauben, dass es noch nicht das Land verlassen hat, können Sie in England die Polizei verständigen, die dann ein Ausreisewarnung verhängen kann („All Ports Warning“ oder auch „Port Alert“). Dazu müssen Sie eine genaue Beschreibung Ihres Kindes und des mutmaßlichen Entführers liefern einschließlich Fotos, wenn Sie diese haben. Trotzdem, auch ohne diese kann es möglich sein, dass der andere Elternteil und das Kind abgefangen werden, besonders wenn Sie eine Ahnung haben, wo und wie sie das Land zu verlassen versuchen werden. Hierzu sollten Sie zu Ihrer lokalen Polizeiwache gehen. Beachten Sie aber, dass eine Ausreisewarnung nicht immer funktioniert and dass es Möglichkeiten gibt, das vereinigte Königreich zu verlassen an Stellen, wo die Kontrollen nicht sehr stark sind. Eine Ausreisewarnung gilt nur für 28 Tage und deshalb sollte sie nicht als Routinemaßnahme benutzt werden, wenn nur ein vager Verdacht einer zukünftigen Kindesentführung besteht.

Sie können auch die Hotline von „Reunite“ unter 0116 2556234 anrufen, die einen 24-Stunden Notdienst hat.

Die effektiven Verfügungen, die Sie beim Gericht beantragen können und die praktischen Schritte, die Sie unternehmen können, sind von Fall zu Fall verschieden. In jedem Fall, in dem Sie eine Kindesentführung befürchten, sollten Sie spezialisierte Rechtsberatung von einem Experten einholen.

Selbst in internationalen Fällen ist es möglich, ein Gesamtpaket durch Mediation zu erreichen. Manchmal muss man in einem Land zuerst ein Verfahren anfangen, damit der andere das nicht in dem anderen Land macht. Gerichtsprozesse können allerdings sehr teuer werden, vor allem wenn man in mehr als einem Land gleichzeitig prozessiert. Mediation kann dies überbrücken und Sie können Mediation zu jeder Zeit während eines Prozesses anfangen.

Für Rechtsberatung zu Ihren persönlichen Umständen, nehmen Sie bitte mit Andrea Woelke bei Alternative Family Law Kontakt auf. Rufen Sie uns unter 020 7407 4007 (+44 20 7407 4007 aus dem Ausland) an, oder schicken Sie uns eine (bitte geben Sie Ihren vollen Namen, sowie den der anderen Person in Ihrem Fall und Ihre Telefonnummer, auf der wir Sie zurückrufen können, an).

Bitte beachten Sie, dass wir keinen Vertrag haben, Mandate auf der Basis der Prozesskostenhilfe (Legal Aid) anzunehmen. Wenn Sie meinen, Ihre finanziellen Umstände könnten Sie zu Legal Aid berechtigen, schauen Sie bitte auf dieser staatlichen Webseite nach und nehmen Sie mit einem Anwalt, der einen Legal Aid Vertrag hat, Kontakt auf.

9. Mai 2016 von Andrea Woelke