Collaborative Law

„Collaborative Law“ ist eine der Wege, die eine Alternative zu einem Gerichtsverfahren bieten, um Lösungen für Familienstreitigkeiten zu finden und/oder um bei Trennung oder Scheidung Vereinbarungen über Kinder, Finanzen und andere persönliche Angelegenheiten zu treffen. Die Mediation ist die andere Möglichkeit der alternative Konfliktlösung (auf englisch „ADR“: „alternative dispute resolution“).

Collaborative Law hat sich in den USA und in Kanada etabliert und kam 2003 nach England. Seitdem haben sich viele Familienanwälte in von „Resolution“ organisierten Fortbildungen als „Collaborative Lawyers“ ausbilden lassen. In Österreich hat es auch Fuß gefasst und wird dort auch als „Recht im Dialog“ bezeichnet. In Deutschland gibt es dieses Modell noch nicht richtig.

Wie auch in der Mediation laufen die Verhandlungen im Collaborative Law auch auf einer Prinzipien-fundierten Basis ab. Im Gegensatz zur Mediation, in der sich beide Parteien mit einem neutralen Mediator treffen, hat jede Partei im Collaborative Law seinen eigenen Anwalt und alle Probleme werden in Vierertreffen erörtert.

Auf dieser Seite finden Sie gratis Informationen zu folgenden Punkten:

Die Grundsätze des Collaborative Law

Das Modell des Collaborative Law basiert darauf, dass beide Parteien und deren Anwälte sich vertraglich binden, nicht vor Gericht zu gehen. Beim ersten Treffen wird ein formeller Vertrag dazu unterschrieben. Dies heißt, dass falls eine Partei sich später entscheidet doch vor Gericht zu gehen, beide Anwälte das Mandat niederlegen und beide Parteien den Anwalt wechseln müssen. Die einzige Ausnahme dazu sind Notfallanträge.

Dies ist ein starker Grund für die Parteien beim Collaborative Law zu bleiben, auch wenn es einmal schwierig werden sollte. Wie in der Mediation werden auch im Collaborative Law alle Dinge in Treffen erörtert, mit dem Unterschied das hier vier statt drei Personen teilnehmen: die beiden Parteien und deren Anwälte.

Die Anwälte

Kommunikationsprobleme sind der Haupt- oder zumindest ein wichtiger Faktor, der zur Zerrüttung einer Beziehung führt. Gerade aber dann, wenn die Parteien erkannt haben, dass ihre Beziehung aufgrund der eigenen Kommunikationsprobleme gescheitert ist, sind sie gezwungen miteinander zu sprechen, um ihre Beziehung zu entflechten. Dabei können Dritte helfen.

Wie in der Mediation werden die beiden Anwälte, die eine Zusatzausbildung zum Collaborative Law haben, versuchen den Parteien so helfen, dass sie effektiv miteinander reden können und die Diskussionen auf einer Prinzipien-fundierten Basis ablaufen.

Gleichzeitig können beide Anwälte Argumente für ihre eigenen Parteien vortragen und sie beraten. Manchmal legen die Anwälte in den Treffen ihre Rechtsberatung vor, so, dass beide Parteien hören können, wie sie sich ähneln oder unterscheiden. Wenn die Rechtsmeinungen ähnlich sind, können sich die Parteien vielleicht schnell in einigen Punkten einigen. Wenn sie verschieden sind, können die Parteien sehen, dass der Gerichtsweg ein teures Spiel sein kann, weil ein Richter die Meinung des einen oder des anderen Anwaltes oder ganz eine andere annehmen könnte.

Nur wenn beide Anwälte im Collaborative Law geschulte sind, kann dieses Modell Anwendung finden und daher nicht, wenn eine Partei schon einen Anwalt mandatiert hat, der nicht geschult ist und diese den Anwalt nicht zu wechseln bereit ist.

Der Ablauf des Collaborative Law

Sie werden sich erst mit ihrem eigenen Anwalt oder ihrer eigenen Anwältin treffen, damit er oder sie sich in die Umstände einfinden können. Wenn Sie sich dann zu dem Modell des Collaborative Law entschließen, um zu versuchen, eine Lösung zu finden, müssen Sie sicherstellen, dass Ihr Partner auch einen Anwalt hat, der im Collaborative Law geschult ist, oder so einen Anwalt mandatieren wird.

Wenn er oder sie das schon getan hat und sich auch zu dem Modell entschlossen hat, können die Anwälten den Kontakt aufnehmen und das erste Treffen planen. Falls ihr Partner noch gar keinen Anwalt hat, müssen Sie Fühlung aufnehmen, um zu sehen ob er oder sie bereit ist, dieser Möglichkeit eine Chance zu geben. Ihr Anwalt wird mit ihnen darüber sprechen, wie Sie das am besten machen können, z.B. dadurch, dass Sie Ihren Partner direkt ansprechen, sich treffen und über die Möglichkeit sprechen, dass Sie zu hause ein Faltblatt liegen lassen, oder eine E-Mail mit einem Link zu dieser Webseite schicken.

Beim ersten Treffen gehen die Anwälte noch einmal durch die Prinzipien des Collaborative Law Modells und dann unterzeichnen alle den Vertrag zum Collaborative Law.

Die beiden Anwälte treffen sich entweder oder besprechen sich am Telefon, um alle Treffen vor zu bereiten und eine flexible Tagesordnung zu vereinbaren. Wenn finanzielle Dinge besprochen werden müssen, setzen die Anwälte die Termine so fest, dass Sie in der Zwischenzeit Ihre finanzielle Offenlegung, meist in einer „Form E“, zwischen zwei Terminen zusammenstellen können.

Die Probleme werden in einer Serie von Treffen, meist in der Kanzlei des einen oder des anderen Anwaltes, erörtert. Dies kann auch bedeuten, dass ein Anwalt jedes Mal anreisen muss. Manchmal wechselt man sich zwischen den Kanzleien ab.

Außer der finanziellen Offenlegung sind alle Diskussionen vertraulich und unter Vorbehalt und falls das Collaborative Law nicht zu einer Lösung führen sollte, darf keine Partei in späteren Gerichtsverfahren auf diese Diskussionen verweisen. Dies erlaubt es allen, sich frei zu äußern und Möglichkeiten und Lösungen vorzuschlagen, die sie vielleicht sonst nicht machen würden. Dies führt meist zu einer schnelleren Einigung.

Wenn Sie sich in einem Punkt, oder in allen, geeinigt haben, können sich Ihre Anwälte verabreden, welcher die Dokumente, z.B. eine Einigungsverfügung, entwirft. Sie können dann in einem weiteren Treffen durch den Entwurf gehen und sich auf eine endgültige Version einigen, die dann zum Gericht geschickt werden kann.

Im Vergleich zur Mediation kostet es mehr Zeit, dass die Anwälte, jedes Treffen miteinander und mit ihren Mandanten vorbereiten müssen. Dies macht dieses Modell teurer.

Wo das Collaborative Law vielleicht seine Stärke hat, ist dadurch, dass die Anwälte, die die Gerichtsdokumente entwerfen und sich auf eine Version einigen müssen die ganze Zeit dabei waren und deshalb verstehen, wie die Parteien zu dieser Lösung gekommen sind. Es besteht deshalb wenige die Gefahr, dass man sich zu diesem Zeitpunkt festsetzt. In der Mediation kann diese Gefahr allerdings dadurch verringert werden, indem man einen guten Mediator auswählt und Anwälte, die Mediation verstehen und vielleicht selbst Mediatoren sind.

Sie können sich auch darauf einigen, bestimmte Bereiche, wie z.B. wie viel Zeit Ihre Kinder mit jedem von Ihnen verbringt, in der Mediation zu lösen versuchen, die dann parallel zum Collaborative Law laufen kann.

Collaborative Law funktioniert aber nicht für alle Paare, wenn es z.B. eine Vorgeschichte von Machtkämpfen oder Gewaltanwendung gibt. Im Allgemeinen gesagt, müssen sich beide Partner sehr dem Modell verpflichtet fühlen und emotional dazu in der Lage sein. Wenn eine Ungleichheit in Fachwissen oder Verhandlungserfahrung besteht, kann die Anwesenheit und die Unterstützung der Anwälte helfen, dass verhindert wird, dass das Ergebnis nicht von beiden Parteien voll angenommen wird.

Kosten

Sie werden sich in so vielen Meetings treffen, wie nötig sind. Beide Anwälte berechnen ihre Zeit nach Stundensatz einschließlich für die Anreise. Ihr Anwalt sollte Ihnen am Anfang eine Kostenschätzung geben können. Allerdings, weil er nicht wissen kann, wie viele Treffen nötig sind, bis Sie zu einer Einigung kommen, wird dies möglicherweise später geändert werden müssen.

Im allgemeinen sind die Kosten erheblich höher als bei der Mediation, nicht zuletzt weil zwei Anwälte zu jedem Treffen kommen und einer von ihnen anreisen muss. Grob gesagt, sind die Kosten wahrscheinlich vergleichbar mit denen eines Gerichtsprozesses, bei dem man sich beim Schlichtungstermin, dem FDR, einigt. Selbst in einem unkomplizierten Fall, liegen die Kosten wahrscheinlich nicht unter £10.000 bis £20.000 für jeden.

So finden Sie einen Collaborative Lawyer

In England und Wales ist Resolution die einzige Organisation, die Anwälte im Collaborative Law ausbildet.

Für Rechtsberatung zu Ihren persönlichen Umständen, nehmen Sie bitte mit Andrea Woelke bei Alternative Family Law Kontakt auf. Rufen Sie uns unter 020 7407 4007 (+44 20 7407 4007 aus dem Ausland) an, oder schicken Sie uns eine (bitte geben Sie Ihren vollen Namen, sowie den der anderen Person in Ihrem Fall und Ihre Telefonnummer, auf der wir Sie zurückrufen können, an).

Bitte beachten Sie, dass wir keinen Vertrag haben, Mandate auf der Basis der Prozesskostenhilfe (Legal Aid) anzunehmen. Wenn Sie meinen, Ihre finanziellen Umstände könnten Sie zu Legal Aid berechtigen, schauen Sie bitte auf dieser staatlichen Webseite nach und nehmen Sie mit einem Anwalt, der einen Legal Aid Vertrag hat, Kontakt auf.

2. Juni 2016 von Andrea Woelke