Häusliche Gewalt und Missbrauch

Wenn Sie oder Kinder in Gefahr sind, rufen Sie sofort die Polizei unter 999 an (112 überall in der EU).

Leider hören Paare nicht einfach auf, sich zu lieben, und trennen sich dann. Manche Menschen machen das Leben ihres Partners unausstehlich; manche Paare machen sich gegenseitig das Leben unausstehlich; manche Menschen wenden Gewalt an. Während großenteils Frauen, die Schutz vor Männern suchen, sich an die Polizei und die Gerichte wenden, wenden Frauen auch Gewalt gegen Männer an, und Partner in gleichgeschlechtlichen Paaren gegeneinander. Vielleicht schämen sich Männer oft zu sehr, um Hilfe zu suchen, vielleicht fühlen sie sich körperlich stark genug, um sicher stellen zu können, dass sie nicht in wirklicher Gefahr schweben, wenn sie angegriffen werden, und stecken die Hiebe, die Prellungen und den Schmerz einfach ein. Es ist schwer dies herauszufinden, weil sie meist in Privatwohnungen hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Permanente Belästigung und passiv-aggressives Verhalten sind auch Formen der (nicht-körperlichen) Gewaltanwendung. Manchmal ist die körperliche Gewalt auch gegen Gegenstände gerichtet, z.B. durch die Zerstörung oder das Wegwerfen eines Gegenstandes, der für den anderen wichtig ist oder ihm am Herzen lag. Der Schutz vor häuslichem Missbrauch versucht gegen diese Arten von Aggression zu helfen.

Anträge auf solche Verfügungen können auch bei nicht gewalttätigen Missbrauch gemacht werden, durch die dennoch die Gesundheit und das Wohlbefinden des Antragstellers beeinträchtig werden. Wenn körperliche Gewaltanwendung stattgefunden hat, empfiehlt es sich oft Fotos von Prellungen oder eine Bescheinigung über einen Arzt oder Ambulanzbesuch wegen Verletzungen zu haben.

Diese Seite hat gratis Informationen zu den folgenden Punkten zum Recht in England und Wales:

Andere Hilfe

Bitte beachten Sie, dass eine gerichtliche Verfügung letztendlich nur ein Blatt Papier ist. Der Antragsgegner hält sich vielleicht an die Verfügung und kann andernfalls, im Extremfall auch mit einer kurzen Haftstrafe, bestraft werden. Eine Verfügung zu haben, kann auch heißen, dass die Polizei schneller kommt. Die Verfügung selbst hindert den Antragsgegner jedoch nicht an der Belästigung oder Gewaltanwendung. Dies hängt am meisten davon ab, wie die lokale Polizei den Fall behandelt.

Wenn Sie oder Kinder in Gefahr sind oder Gewaltanwendung befürchten, rufen Sie sofort die Polizei unter 999 an (112 überall in der EU). Wenn keine Gefahr im Verzug ist, sollten Sie sich dennoch mit der lokalen Polizeidienststelle oder mit der Abteilung für häusliche Gewalt ihrer Polizei in Verbindung setzen, um Ihre Umstände mit denen zu besprechen. In einigen Regionen ist es möglich, dass die Polizei bei Ihrer Adresse einen Vermerk im Computer macht, der bedeutet, dass wenn Sie anrufen, der Fall Priorität bekommt und die Polizei schneller da ist. Wählen Sie hierzu die nicht dringende Polizeitelefonnummer im Vereinigten Königreich 101.

Wohnungsnutzungsverfügungen

Eine Wohnungsnutzungsverfügung kann die Nutzung einer Wohnung regeln, z.B. wer in welchem Zimmer schläft, wer welchen Teil des Hauses betreten darf usw. Es kann auch bestimmen, das einer gar nicht das Haus oder die nähere Umgebung betreten darf. Solche Verfügungen werden als drastisch betrachtet, besonders wenn ein Mensch von einer Wohnung ausgeschlossen wird, in der er ein Recht hat zu leben, weil er der (Mit-)Eigentümer oder Mieter ist.

Kurz gesagt schaut sich der Richter alle Umstände des Falles an und erlässt dann eine nötige Verfügung. Insbesondere wird das Gericht die Folgenden Kriterien in Betracht ziehen:

  • die Bedürfnisse und die Mittel jeder Partei in Bezug auf eine Wohnung,
  • die finanziellen Mittel der Parteien,
  • die Auswirkungen einer möglichen Verfügung oder einer Möglichen Ablehnung des Antrages auf die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Parteien und jedes relevanten Kindes,
  • das Verhalten der Parteien.

In jedem Fall muss das Gericht abwägen zwischen dem Schaden, den der Antragsteller und Kinder möglicherweise erleiden, wenn die Verfügung nicht erlassen wird, und dem Schaden, den der Antragsgegner und Kinder möglicherweise erleiden, wenn die Verfügung erlassen wird.

Verfügungen gegen Belästigung

Verfügungen gegen Belästigung können zwischen zwei Personen erlassen werden, die in einer Beziehung, verheiratet, zivile Lebenspartner oder zusammenlebende Lebenspartner sind oder waren oder Verwandte oder Eltern desselben Kindes sind. Diese Kategorien sind weit definiert, sodass fast alle familiären Beziehungen eingeschlossen sind. In anderen familienrechtlichen Fällen kann so eine Verfügung von einem Gericht erlassen werden, das diese für notwendig hält, auch wenn kein Antrag gestellt worden ist. Wenn jemand einen Antrag auf eine Wohnungsnutzungsverfügung stellt, muss das Gericht in Erwägung ziehen, ob es auch eine Verfügung gegen Belästigung erlassen soll.

Zur Entscheidung, ob eine Verfügung gegen Belästigung erlassen werden soll, muss das Gericht alle Umstände des Falles in Betracht ziehen einschließlich der Notwendigkeit die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Person, zu dessen Gunsten die Verfügung gemacht werden soll, oder eines Kindes zu schützen.

Wenn der Antragsgegner über die Verfügung weiß, begeht er eine Straftat, wenn er die Verfügung nicht beachtet, und kann mit einer Geldstrafe oder Haft bestraft werden.

Formelle Versprechen

Formelle Versprechen gegenüber dem Gericht werden „Undertakings“ genannt. In Fällen, in denen eine Partei einen Antrag für eine Verfügung gegen Belästigung stellt, bietet der Antragsgegner manchmal an, ein formelles Versprechen bestimmte Dinge nicht zu tun abzugeben, ohne dass er dabei dem zugeben muss, dass er in der Vergangenheit den Antragsteller belästigt hat. Das Gericht kann so ein formelles Versprechen akzeptieren, es sei denn, dass der Antragsgegner in der Vergangenheit Gewalt angewandt oder angedroht hat und das Gericht es für nötig hält, eine Verfügung zu erlassen, um den Antragsteller zu schützen. Eine Nichtbeachtung eines formellen Versprechens kann als Gerichtsbeleidigung mit einer Geld- oder Haftstrafe geahndet werden, aber der Antragsgegner kann nicht sofort dafür verhaftet werden.

Verfahren

Der Antrag wird mit einem relativ lange Formular zusammen mit einer vereidigten Zugenaussage („Affidavit“ oder „Affirmation“), die die Umstände und die Gründe für den Antrag darlegt, gemacht.

In Fällen von Belästigung oder häuslicher Gewalt ist meist keine Zeit zu verlieren. Je nach den Gepflogenheiten des örtlichen Gerichtes trägt daher der Antragsteller meist seinen Antrag am selben Tag erst vor dem Dienstrichter vor. Diese kurze Anhörung findet ohne Benachrichtigung des Antragsgegners statt. In fast allen Fällen ist dies erforderlich, um einen schnellen Termin (meist eine oder zwei Wochen später) zu bekommen, und manchmal ist dies auch erforderlich, weil die Befürchtung besteht, dass der Antragsgegner, sobald er von dem Antrag erfährt, überreagiert und dann erst recht den Antragsteller belästigt oder angreift. Der Richter erlässt dann oft schon eine Verfügung gegen Belästigung, um den Antragsteller zu schützen, aber nur selten eine Wohnungsnutzungsverfügung, weil, obwohl niemand das Recht hat jemand anderes zu belästigen, er das Recht haben könnte, in seiner Wohnung zu leben, das durch eine Verfügung eingeschränkt oder ausgeschlossen würde.

Wenn eine Verfügung ohne Benachrichtigung des Antragsgegners gemacht wurde, oder mit Benachrichtigung gemacht wurde, aber der Antragsgegner ist nicht erschienen, muss die Verfügung dem Antragsgegner zugestellt werden, meist in dem es ihm persönlich von einem Zusteller überreicht wird. Ihr Anwalt wird sich darum kümmern.

Es wird immer einen Gerichtstermin mit Benachrichtigung des Antragsgegners geben, damit der seine Seite der Geschichte dem Gericht vortragen kann. Das Gericht kann dann je nach den Umständen die Verfügungen verlängern, die es bei dem Termin ohne Benachrichtigung gemacht hat, andere Verfügungen erlassen, oder den Antrag ablehnen. Manchmal reicht die Zeit nicht aus, um die Zeugen zu vernehmen, und wenn sich die Parteien dann nicht einigen, kann es sein, dass der Termin verschoben werden muss, auf einen Zeitpunkt, bei dem dann mehr Zeit ist.

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25. May 2016 von Andrea Woelke