Anwälte in England

In England und Wales gibt es was das Familien- und Zivil recht betrifft zwei Arten von Rechtsanwälten: Solicitors und Barristers.

Solicitors

Solicitors haben Kanzleien, entweder allein oder als Sozietät mit anderen Solicitors zusammen. Einige sind sehr spezialisiert, andere sind mehr Allgemeinrechtler. Als Mandant beauftragen Sie einen Solicitor, Ihren Fall zu übernehmen, Sie in einer Erstberatung zu beraten und Sie dann zu vertreten. Ein Solicitor

  • berät Sie also in einer Erstberatung und danach schriftlich;
  • spricht mit Ihnen am Telefon während des fortlaufenden Falles;
  • schreibt Ihnen regelmäßig;
  • korrespondiert mit der anderen Partei in Ihrem Fall oder deren Solicitor, wenn sie anwaltlich vertreten wird; Ihr Solicitor kann sich nicht an die andere Partei direkt wenden, wenn diese auch anwaltlich vertreten wird;
  • setzt Schriftstücke, schriftliche Zeugenaussagen und Anträge für Sie auf und reicht Anträge bei Gericht ein;
  • vertritt Sie in manchen Verhandlungen; sonst vertritt Sie ein Barrister.

Solicitor haben das Recht auf Gehör (d.h. sie können Sie vertreten) in den meisten Fällen im „Family Court“, im „County Court“ und im „High Court“. Dennoch beauftragt Ihr Solicitor vielleicht einen Barrister mit Ihrer Vertretung abhängig vom Fall, der Arbeitslast des Solicitors und ähnlichen Faktoren.

Solicitorhonorare

Die Honorare von Solicitors basieren fast immer auf dem Zeitaufwand, gemessen an einem Stundensatz plus 20% MWSt (außer wenn Sie außerhalb der EU leben). Die Zeit wird in Einheiten von 1/10 Stunden gemessen und erfasst. Ihr Solicitor wird Sie wahrscheinlich am Anfang des Falles bitten, einen Vorschuss zu leisten und Ihnen dann regelmäßig (meist monatlich oder weniger häufig, falls in Ihrem Fall nicht viel passiert) einen Rechnung schicken und Sie wiederum um einen weiteren Vorschuss bitten. Geld, das Sie anzahlen, muss auf einem getrennten Bankkonto bleiben, bis Sie eine Rechnung zugeschickt bekommen haben. So lange bleibt es Ihr Geld. Die Rechnung, die Sie vom Solicitor bekommen enthält auch andere Aufwendung, wie z.B. Gerichtsgebühren, Expertenhonorare und Barristerhonorare.

Wenn Sie sich einen Solicitor aussuchen können Stundensätze ein schlechter Maßstab für die Gesamtkosten sein: ein erfahrener Anwalt braucht vielleicht nur die Hälfte der Zeit für etwas, die ein unerfahrener Anwalt braucht, der 30% weniger pro Stunde berechnet. Dennoch ist der erfahrene Anwalt insgesamt preisgünstiger. Manche Solicitor bieten jetzt Fixkosten für spezielle Stufen an. Das heißt, dass sie in manchen Fällen viel weniger Zeit als im Durchschnitt brauchen und einen größeren Gewinn machen, während sie in anderen Fällen mehr Zeit brauchen, die dann subventioniert werden müssen. Irgendwann macht das ganze dann keinen wirtschaftlichen Sinn mehr und in den Geschäftsbedingungen gibt es wahrscheinlich eine Möglichkeit, dass der Anwalt dann wieder stundenweise abrechnet.

Barrister

Barrister spezialisieren sich meist auf ein oder zwei Rechtsgebiete. Sie nehmen hauptsächlich folgende Aufgaben wahr:

  • Vertretung vor Gericht und
  • Beratung zu strategisch entscheidenden Zeiten in einem Fall, entweder schriftlich oder in einer Besprechung („Conference“).

Ihr Solicitor sendet Ihrem Barrister schriftliche Anweisungen („Instructions“, oder für eine Gerichtsverhandlung „Brief“ genannt), die den Fall zusammenfassen und aufzeigen, worüber der Barrister zu beraten hat oder was der Barrister beachten muss, wenn er oder sie die Mandanten vor Gericht vertritt. In der Anlage hierzu befinden sich dann alle wichtigen Dokumente und die relevante Korrespondenz zum Fall.

Barrister arbeiten in Bürogemeinschaften, „Chambers“ genannt. In London befinden sich diese traditionell in oder um die Inns of Court in der Nähe der Chancery Lane herum. Barrister haben „Clerks“, Angestellte, die die Bürogemeinschaft verwalten und die Honorare für die Barrister aushandeln. In den Chambers gibt es Konferenzräume; die meisten Barrister haben einen Schreibtisch in einem Zimmer, das sie sich mit anderen Barristers teilen, weil sie ohnehin oft nicht im Büro sind, sondern in der Bibliothek Recherchen nachgehen, vor Gericht auftreten oder in einer Konferenz beraten. In manchen Chambers, insbesondere im Strafrecht, hot-desken die Barrister, d.h. setzen sich mit ihrem Laptop und ihrer Arbeit dort his, wo gerade Platz ist.

Manchen Barristers wird als besondere Auszeichnung ihres Ranges vom Staat der Titel „Queen’s Counsel“ verliehen. Das heißt allerdings nicht, dass sie die Königin beraten, sondern sie können die Bezeichnung „QC“ hinter ihren Namen stellen und andere Roben tragen (und zwar mit Seidenbesätzen; daher kommt auch die Bezeichnung „Silk“ für QCs). In komplexen Fällen und vor den höheren Gerichten in zweiter oder dritter Instanz arbeiten QCs manchmal mit anderen Barristers zusammen, die keine QCs sind („Junior Counsel“ genannt im Gegensatz zu QCs, die „Senior Counsel“ sind). Beide berechnen dann ein separates Honorar. QCs können aber auch ohne „Junior“ in einem Fall auftreten. Die Titel sind hart umkämpft und daher gibt es viele sehr erfahrene und sehr gute Barrister, die den Titel nicht führen. Jedes Jahr bewirbt sich eine große Anzahl von Barristers, aber nur wenigen wird der Titel verliehen. to top of text

Barristerhonorare

Die Festkosten sind für Barrister im Allgemeinen niedriger als für Solicitor und ihre Stundensätze sind deshalb auch allgemein niedriger. Dennoch wird Ihr Solicitor in den meisten Fällen jedes Mal ein Pauschalhonorar verhandeln, wenn ein Barrister Anweisungen, z.B. für eine Beratungskonferenz oder eine Verhandlung, bekommt. Für Verhandlungen, die mehr als einen Tag dauern, berechnen Barrister ein Verhandlungshonorar („Brief Fee“) für die Vorbereitungen und den ersten Verhandlungstag einschließlich einer Beratungskonferenz unmittelbar vor der Verhandlung und danach ein Aufstockungshonorar („Refersher“) für jeden weiteren Verhandlungstag, das meist niedriger ist. Manchmal macht ein Clerk erst ein Honorarangebot, wenn der Barrister die Anweisungen gesehen hat und sagen kann, wie groß sein Zeitaufwand sein wird. Das Honorar hängt natürlich auch von der Berufserfahrung des Barristers ab, so dass und QC-Honorare sind die höchsten.

Selbst wenn eine Verhandlung ausfällt, z.B. weil die Parteien sich in letzter Minute einigen, ist das Honorar meist fällig, weil der Barrister dann keine alternativen Aufträge für die freigehaltene Zeit mehr finden kann. Der Clerk wird in den meisten Fällen dem Solicitor sagen, wann dieses Verfallshonorar fällig wird.

Direktmandate für Barrister

Einige Barrister habe eine zusätzliche Ausbildung, die ihnen erlaubt Direktmandate anzunehmen, das heißt, dass jedes Mitglied der Öffentlichkeit diesen Barrister ohne Solicitor mandatieren kann. Für Parteien, die sich ansonsten selbst vertreten, weil sie sich nicht leisten können vollständigen Rechtsbeistand zu haben, kann dies ein wirtschaftlicher Weg sein, bei einem Gerichtstermin vertreten zu werden. Allerdings hat dies mehrere Nachteile:

  • Barrister, die direkt mandatiert werden verlangen meist ein höheres Honorar als das, was sie verlangen würden, wenn sie durch einen Solicitor mandatiert werden (weil die Akte nicht für sie vorbereitet worden ist).
  • Barristern ist nicht erlaubt, Schriftstücke bei Gericht einzureichen, daher müssen Sie das immer noch selbst machen.
  • Daher haben Barrister auch keine Erfahrungen, wie man Formulare ausfüllt oder Standardschriftsätze aufsetzt. Es kann sein, dass sie, zum Beispiel, länger brauchen ein Formular für eine Scheidung auszufüllen (und daher teurer sind) also ein Solicitor.
  • Barrister arbeiten die meiste Zeit bei Gericht, also kann es sein, dass der Barrister, den Sie direkt mandatiert hatten, in einem langen Fall steckt, wenn Sie dringend Beratung brauchen.
  • So oder so sollten Sie sich frühzeitig umfassend beraten lassen, damit Sie nicht einen Antrag einreichen (oder einem Antrag widersprechen), wenn Ihre Erfolgsaussichten schlecht sind. Dann hätten Sie am falschen Ende gespart und es kostet Ihnen wohlmöglich insgesamt mehr.

Direktmandatierung von Barristern kann in bestimmten Fällen bestimmten Parteien helfen, aber es ist keine Lösung in allen Fällen Geld zu sparen.

Für Rechtsberatung zu Ihren persönlichen Umständen, nehmen Sie bitte mit Andrea Woelke bei Alternative Family Law Kontakt auf. Rufen Sie uns unter 020 7407 4007 (+44 20 7407 4007 aus dem Ausland) an, oder schicken Sie uns eine (bitte geben Sie Ihren vollen Namen, sowie den der anderen Person in Ihrem Fall und Ihre Telefonnummer, auf der wir Sie zurückrufen können, an).

Bitte beachten Sie, dass wir keinen Vertrag haben, Mandate auf der Basis der Prozesskostenhilfe (Legal Aid) anzunehmen. Wenn Sie meinen, Ihre finanziellen Umstände könnten Sie zu Legal Aid berechtigen, schauen Sie bitte auf dieser staatlichen Webseite nach und nehmen Sie mit einem Anwalt, der einen Legal Aid Vertrag hat, Kontakt auf.

12. Mai 2016 von Andrea Woelke