In England und Wales gibt es was das Familien- und Zivil recht betrifft zwei Arten von Rechtsanwälten:
Solicitors haben Kanzleien, entweder allein oder als Sozietät mit anderen Solicitors zusammen. Einige sind sehr spezialisiert, andere sind mehr Allgemeinrechtler. Als Mandant beauftragen Sie einen Solicitor, Ihren Fall zu übernehmen, Sie in einer Erstberatung zu beraten und Sie dann zu vertreten. Ein Solicitor
Solicitor haben das Recht auf Gehör (d.h. sie können Sie vertreten) vor allen „County Courts“ und in den meisten Fällen im „High Court“. Dennoch beauftragt Ihr Solicitor vielleicht einen Barrister mit Ihrer Vertretung abhängig vom Fall, der Arbeitslast des Solicitors und ähnlichen Faktoren. ![]()
Die Honorare von Solicitors basieren fast immer auf dem Zeitaufwand, gemessen an einem Stundensatz plus MWSt (außer wenn Sie außerhalb der EU leben, z.Z. 15% bis zum 31. Dezember 2009, dann wieder 17,5%). Die Zeit wird in Einheiten von 1/10 Stunden gemessen und erfasst. Ihr Solicitor wird Sie wahrscheinlich am Anfang des Falles bitten, einen Vorschuss zu leisten und Ihnen dann regelmäßig (meist monatlich oder weniger häufig, falls in Ihrem Fall nicht viel passiert) einen Rechnung schicken und Sie wiederum um einen weiteren Vorschuss bitten. Geld, das Sie anzahlen, muss auf einem getrennten Bankkonto bleiben, bis Sie eine Rechnung zugeschickt bekommen haben. So lange bleibt es Ihr Geld. Die Rechnung, die Sie vom Solicitor bekommen enthält auch andere Aufwendung, wie z.B. Gerichtsgebühren, Expertenhonorare und Barristerhonorare. ![]()
Barrister spezialisieren sich auf ein oder zwei Rechtsgebiete. Sie nehmen hauptsächlich folgende Aufgaben wahr:
Ihr Solicitor sendet Ihrem Barrister schriftliche Anweisungen („Instructions“, oder für eine Gerichtsverhandlung „Brief“ genannt), die den Fall zusammenfassen und aufzeigen, worüber der Barrister zu beraten hat oder was der Barrister beachten muss, wenn er oder sie die Mandanten vor Gericht vertritt. In der Anlage hierzu befinden sich dann alle wichtigen Dokumente und die relevante Korrespondenz zum Fall.
Barrister arbeiten in Bürogemeinschaften, „Chambers“ genannt. In London befinden sich diese traditionell in oder um die Inns of Court in der Nähe der Chancery Lane herum. Barrister haben „Clerks“, Angestellte, die die Bürogemeinschaft verwalten und die Honorare für die Barrister aushandeln. In den Chambers gibt es Konferenzräume; die meisten Barrister haben einen Schreibtisch in einem Zimmer, das sie sich mit anderen Barristers teilen, weil sie ohnehin oft nicht im Büro sind, sondern in der Bibliothek Recherchen nachgehen, vor Gericht auftreten oder in einer Konferenz beraten. In manchen Chambers, insbesondere im Strafrecht, hot-desken die Barrister, d.h. setzen sich mit ihrem Laptop und ihrer Arbeit dort his, wo gerade Platz ist.
Manchen Barristers wird als besondere Auszeichnung ihres Ranges vom Staat der Titel „Queen’s Counsel“ verliehen. Das heißt allerdings nicht, dass sie die Königin beraten, sondern sie können die Bezeichnung „QC“ hinter ihren Namen stellen und andere Roben tragen (und zwar mit Seidenbesätzen; daher kommt auch die Bezeichnung „Silk“ für QCs). In komplexen Fällen und vor den höheren Gerichten in zweiter oder dritter Instanz arbeiten QCs manchmal mit anderen Barristers zusammen, die keine QCs sind („Junior Counsel“ genannt im Gegensatz zu QCs, die „Senior Counsel“ sind). Beide berechnen dann ein separates Honorar. QCs können aber auch ohne „Junior“ in einem Fall auftreten. Die Titel sind hart umkämpft und daher gibt es viele sehr erfahrene und sehr gute Barrister, die den Titel nicht führen. Jedes Jahr bewirbt sich eine große Anzahl von Barristers, aber nur wenigen wird der Titel verliehen. ![]()
Die Festkosten sind für Barrister im Allgemeinen niedriger als für Solicitor und ihre Stundensätze sind deshalb auch allgemein niedriger. Dennoch wird Ihr Solicitor in den meisten Fällen jedes Mal ein Pauschalhonorar verhandeln, wenn ein Barrister Anweisungen, z.B. für eine Beratungskonferenz oder eine Verhandlung, bekommt. Für Verhandlungen, die mehr als einen Tag dauern, berechnen Barrister ein Verhandlungshonorar („Brief Fee“) für die Vorbereitungen und den ersten Verhandlungstag einschließlich einer Beratungskonferenz unmittelbar vor der Verhandlung und danach ein Aufstockungshonorar („Refersher“) für jeden weiteren Verhandlungstag, das meist niedriger ist. Manchmal macht ein Clerk erst ein Honorarangebot, wenn der Barrister die Anweisungen gesehen hat und sagen kann, wie groß sein Zeitaufwand sein wird. Das Honorar hängt natürlich auch von der Berufserfahrung des Barristers ab, so dass und QC-Honorare sind die höchsten.
Selbst wenn eine Verhandlung ausfällt, z.B. weil die Parteien sich in letzter Minute einigen, ist das Honorar meist fällig, weil der Barrister dann keine alternativen Aufträge für die freigehaltene Zeit mehr finden kann. Der Clerk wird in den meisten Fällen dem Solicitor sagen, wann dieses Verfallshonorar fällig wird.
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Stand: April 2009
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