Scheidungspapiere

Mehrere Dokumente werden benötigt, um in England eine Scheidung anzufangen:

Der Scheidungsantrag

Das wichtigste Dokument, um in England eine Scheidung anzufangen, ist der Scheidungsantrag („divorce petition“). Es gibt hierfür ein Formular für Scheidungen und Auflösungen von zivilen Lebenspartnerschaften. Dies macht es unklar, welche Kästchen anzukreuzen sind. Es gibt auch ein Hilfsblatt zum Ausfüllen des Formulars.

Sie müssen sich die Anweisungen und das Formular sehr genau anschauen, damit Sie es richtig ausfüllen, zum Beispiel in Teil 1 müssen Sie die Namen so schreiben, wie sie jetzt sind, in Teil 2 aber so, wie sie auf der Heirats- oder Lebenspartnerschaftsurkunde stehen, selbst wenn dort ein Schreibfehler ist oder, zum Beispiel, ein Mittelname weggelassen wurde.

  • Seite 1 sollte klar sein.
  • In Teil 1 müssen alle Details ausgefüllt werden. Wenn Sie die Adresse der anderen Person nicht haben, sollten Sie sich anwaltlich darüber beraten lassen, was Sie tun können. Oft findet man jemanden, wenn man etwas im Internet recherchiert, und Sie können sich dann mit Ihrem Ehepartner wenigstens über soziale Medien oder E-Mail in Verbindung setzen. Wenn er oder sie dann auch geschieden werden will und sie erklären können, dass Sie für den Scheidungsantrag die Adresse brauchen, sind die meisten bereit, diese weiterzugeben.
  • In Teil 2 müssen Sie die Details von der Heirats- oder Lebenspartnerschaftsurkunde genau so übertragen, wie sie dort stehen. Wenn Sie, zum Beispiel, statt „register office“ „registry office“ schreiben, wird ihr Antrag wahrscheinlich zurückgewiesen.
  • Teil 3 bezieht sich auf die Zuständigkeit für Scheidung oder die Auflösung einer gleichgeschlechtlichen zivilen Lebenspartnerschaft für schwule und lesbische Paare. Kreuzen Sie ein Kästchen in der ersten Zeile an und schreiben Sie die Adresse, an der Sie zuletzt zusammen gewohnt haben in den großen Kasten. Wenn Sie verheiratet sind und sich auf einen der Zuständigkeitsgründe in der EU-Brüssel-II-Verordnung beziehen, kreuzen Sie das erste Kästchen nach der Adresse an; wenn Sie zivile Lebenspartner sind und sich auf dieselben Gründe beziehen, kreuzen Sie das zweite Kästchen an. Wenn sie beide Ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort in England oder Wales haben, können Sie das Kästchen für diese Zeile ankreuzen; ansonsten müssen Sie den jeweiligen Zuständigkeitsgrund vom Hinweisblatt hier in den großen Kasten eintragen. Nur, wenn keiner dieser Gründe hier in England und Wales, und auch nicht anderswo in der EU (außer Dänemark) Anwendung findet, können Sie sich auf die Gründe unter dem Kasten berufen, nämlich, dass einer von Ihnen in England und Wales sein „domicile“ hat; oder, im Falle einer zivilen Lebenspartnerschaft oder gleichgeschlechtlichen Ehe, dass Sie hier geheiratet bzw. Ihre Partnerschaft haben eintragen lassen. Das englische Familiengericht wird sich dann mit der Scheidung oder Auflösung beschäftigen, wenn sie zum Beispiel Ihre Beziehung anderswo nicht auflösen können. „Domicile“ ist ein schwieriger Rechtsbegriff und nicht dasselbe wie Ihr Domizil. Wenn Sie sich auf „domicile“ berufen wollen, müssen Sie sich von einem englischen Spezialisten im internationalen Familienrecht beraten lassen. Wenn Ihr Fall irgendeine internationale Komponente hat, z.B. weil einer (oder beide) von Ihnen außerhalb England und Wales lebt (auch in Schottland oder Irland), nicht Brite ist oder sie Vermögen im Ausland haben oder mal im Ausland gelebt haben, sollten Sie sich unbedingt von einem Spezialisten auf dem Gebiet des internationalen Familienrechtes über Ihren speziellen Fall beraten lassen. Wenn Sie das nicht tun, kann es sein, dass Sie sich später in einer sehr viel schlechteren Situation auffinden. Setzen Sie sich mit uns in Verbindung, um einen Termin zu vereinbaren (s.u.).
  • Teil 4 beschäftigt sich mit anderen Gerichtsverfahren. Hier sorgfältig die richtigen Kästchen ankreuzen. Am Besten lesen Sie sich den Text mit den angekreuzten Kästchen noch einmal durch, um zu checken, ob Sie alles richtig angekreuzt haben. Wenn Sie sich auf fünf Jahre Trennung berufen, müssen Sie auch den zweiten Teil ausfüllen.
  • In Teil 5 müssen Sie ankreuzen, ob Sie einen Antrag auf Scheidung, Lebenspartnerschaftsauflösung oder Trennung stellen, und dann auf welchen Sachverhalt Sie sich berufen. If you are applying for a civil partnership dissolution, you cannot use the fact of adultery.
  • In Teil 6 gibt es einen Kasten für die Details für den Sachverhalt, auf den Sie sich berufen. Sie müssen hier nicht viel schreiben, nur gerade genug, um den Sachverhalt zu erfüllen. Der Kasten ist absichtlich klein gehalten. Es besteht gar kein Grund irgendetwas über Verhalten (wenn das Ihr Sachverhalt ist) zu schreiben, das mehr als sechs Monate zurückliegt (oder sechs Monate vor der Trennung, wenn Sie sich schon getrennt haben), es sei denn es dauert immer noch an. Das Verhalten kann natürlich auch aus der Zeit nach der Trennung kommen. So zum Beispiel, wenn Sie sich getrennt haben und jetzt beide einen neue Beziehung haben, können Sie sich nicht auf Ihre eigene sexuelle Beziehung berufen, aber Sie könnte etwas schreiben, wie:

„The respondent has had sexual relationships with other people and the petitioner does not feel that he/she can continue to live with the respondent.“

  • Sie müssen den Kasten nicht voll machen! Dasselbe gilt für Ehebruch (schauen Sie sich die Definition hier an; für Lebenspartnerschaftsauflösungen können Sie „Ehebruch“ nicht verwenden!):

„The Respondent has committed adultery with another man/woman [who the petitioner knows but wishes not to mention/unknown to the Petitioner] and this is continuing/on or around [date].“

  • Wenn Sie sich auf Trennung berufen, schreiben Sie etwas wie:

„The petitioner realised that the relationship had run its course on or around [date] and move out of the joint home on [date] [and for two years’ separation and consent] and the Respondent consents to the divorce.“

  • Teil 7: Listen Sie hier alle Kinder auf, und kreuzen Sie Spalte (a) an Sie beide die Eltern sind uns Spalte (b) für alle anderen Kinder, die als „Kinder der Familie“ behandelt wurden, normalerweise Kinder von einem von Ihnen, die ganz oder zeitweise als Teil Ihrer Familie gelebt haben (z.B. Stiefkinder).
  • Teil 8 bezieht sich auf besondere Bedürfnisse, die Sie für Gerichtstermine haben, z.B. einen Dolmetscher oder einen Behindertenparkplatz.
  • Teil 9 ist für die Adressen, die das Gericht dann auf dem Computersystem erfasst, und an die es die Schriftstücke schickt. Wenn Sie später umziehen, müssen Sie das Gericht benachrichtigen. Stellen Sie sicher, dass die Adressen vollständig sind.
  • Teil 10, Abschnitt 1 müssen Sie sich genau durchlesen, damit Sie sicher gehen, dass Sie die richtigen Kästchen angekreuzt haben.
  • Teil 10, Abschnitt 2 findet nur Anwendung, wenn Sie einen Anwalt haben, weil Sie sonst keine Kosten haben (nur die Gerichtsgebühr). Der Kostenantrag bezieht sich nur auf die Kosten der Scheidung, nicht aber auf andere Dinge, wie z.B. finanzielle Anträge. In den meisten Fällen verfügt das Gericht, dass der Antragsgegner bei Scheidungen, die auf Ehebruch, Verhalten oder Im-Stich-Lassen beruhen, die Kosten tragen muss, aber nicht so in Fällen, die auf zwei oder fünf Jahre Trennung beruhen.
  • Teil 10, Abschnitt 3: Hier ist eine Liste der finanziellen Anträge, die Sie stellen können. Es ist gängige Praxis alle anzukreuzen, die Anwendung finden, und das heißt nicht unbedingt, dass Sie die auch verfolgen werden. Wenn Sie sich auf einen Vergleich einigen (oder darauf, dass keiner von Ihnen finanzielle Forderungen gegen den anderen stellen wird und dass Sie wollen, dass das Gericht die gegenseitigen Anträge zurückweist), heißt das, dass das Gericht die Möglichkeit hat dem zuzustimmen. Es heißt auch, dass sie die Anträge später stellen können, selbst wenn Sie wieder geheiratet oder einen Lebenspartnerschaft registriert haben (obwohl Sie dann keinen Unterhalt für sich fordern können). Das Gericht wird sich nur mit finanziellen Forderungen beschäftigen, wenn einer der Parteien einen Antrag auf finanzielle Versorgung stellt, der sich an die Scheidung anhängt.

Heiratsurkunde

Um die Scheidung einzureichen, brauchen Sie außerdem Ihre Heiratsurkunde. Wenn Sie diese nicht mehr haben und in England und Wales geheiratet haben, können Sie eine weitere von dem Standesamt, in dem Sie geheiratet haben, oder vom „General Register Office“ bekommen. Den Antrag dafür können Sie nach einer Registrierung online machen, oder telefonisch. Ein Eilantrag kostet mehr. Sie können das General Register Office gleich bitten, die Heiratsurkunde direkt an Ihren Anwalt zu schicken, wenn Sie einen haben.

Das Gericht behält Ihre Heiratsurkunde. Wenn Sie es später noch brauchen, sollten Sie eine weitere beantragen.

Das Gericht akzeptiert keine Fotokopien, sondern benötigt ein Original, obwohl Sie dies in dringenden Fällen nachreichen können. Sie sollten dies mit Ihrem Anwalt bereden, wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihre Heiratsurkunde zu bekommen.

Wenn Sie im Ausland geheiratet haben und die Heiratsurkunde in einer anderen Sprache ist, müssen Sie dies offiziell übersetzen lassen. Dies kann teuer werden.

In manchen Ländern können Sie eine mehrsprachige Urkunde von Ihrem Standesamt bekommen. Dies sieht dann etwas wie ein EU-Reisepass aus mit jeder Information in einem nummerierten Feld und einer Erklärung in vielen Sprachen auf der Rückseite. Sie finden ein Beispiel here.

Bestätigungserklärung

Wenn Ihr(e) Ehepartner(e) die Empfangsbestätigung („acknowledgement of service form“) ausgefüllt und an das Gericht zurück geschickt hat und Sie vom Gericht eine Kopie bekommen haben, müssen Sie die Bestätigungserklärung ausfüllen, um das vorläufige Urteil zu beantragen („decree nisi“ bei Scheidung, „conditional order“ bei Auflösung einer gleichgeschlechtlichen zivilen Lebenspartnerschaft). Die Erklärung ist ein Formular, das sie ausfüllen müssen. Dabei müssen Sie jede Frage sorgfältig genau beantworten, damit Ihre Scheidung oder Lebenspartnerschaftsauflösung nicht zurückgewiesen wird, weil hinter jeder Frage ein gesetzliche Bestimmung steht. Hierbei kann die Hilfe und der Rat eines Anwaltes sehr brauchbar sein. Je nachdem, auf welchem Sachverhalt Ihre Scheidung oder Auflösung der zivilen Lebenspartnerschaft beruht, brauchen Sie ein anderes Formular:

Wenn Ihr(e) Ehepartner(in) die Empfangsbestätigung („acknowledgement of service form“) selber unterschrieben hat (statt dass es nur ein Anwalt in Vertretung getan hat), müssen Sie eine Kopie beilegen und den Teil darüber, dass Sie die Unterschrift erkennen, auch ausfüllen.

Am Ende finden Sie eine Wahrheitsbestätigung. Daher muss alles genau richtig sein. Sollte sich später herausstellen, dass nicht alles genau wahr ist, können Sie dafür mit einer Geldstrafe oder Gefängnis bestraft werden.

Sie senden dann das Formular ans Gericht mit dem Antrag auf das vorläufige Urteil (noch ein Formular). Keine Gebühr ist fällig.

Antrag auf ein Endgültiges Urteil

Hierfür gibt es ein einfaches Formular.

Wenn Sie einen Anwalt haben, muss der noch ein anderes Dokument anfertigen, in dem bezeugt werden muss, ob er oder sie mit Ihnen über eine Versöhnung gesprochen hat. Dieses Dokument hat keinen erkennbaren Nutzen.

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19. Mai 2016 von Andrea Woelke